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Cinematograph Déjà Vu

Cinematograph Déjà Vu

Unter diesem Titel präsentieren wir Einzelveranstaltungen, insbesondere Veranstaltungen, die dem Frühen Kino gewidmet sind.

Aktuelle Veranstaltung:

21. Oktober 2010: Dziga Vertov, "Der Mann mit der Kamera"

Musikalische Begleitung: ELPHE

Frühes Kino:

Mit dem Begriff wird im allgemeinen die Zeit von 1895 bis zum Ende des 1. Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts umschrieben. Der Übergang vom Frühen Kino zur weiteren Entwicklung des jungen Mediums Film ist gekennzeichnet durch die allmähliche Durchsetzung längerer Filme. Für den Nicht-Fachmann sei gesagt, dass die ersten Filme sehr kurz waren (aus unserer Sicht); oft nur wenige Minuten lang. Schon der Begriff "Film" in unserem Sinne erscheint nicht gerechtfertigt, zu Recht hat die Forschung darauf hingewiesen, dass damals "lebende Photographien" intendiert waren. Eine "lebende Photographie" erzählt nicht zwangsläufig eine Geschichte - im Gegenteil. Die Themen der "lebenden Photographien" sind kurze Anekdoten, Schilderungen, Ereignisse, die auf wenige wichtige Details reduziert werden.

Warum es dann zu der Entwicklung hin zu "Filmen" kam, wird in der Forschung noch diskutiert. Nicht wenige neigen zu der Annahme, dass die Film-Produktion verantwortlich ist für diese Entwicklung, den den "lebenden Photographien" gingen langsam aber sicher die Themen aus. In diesem Kontext sollte man sich bewusst machen, dass es schon bald nach der Entstehung des Kinos eine geradezu explodierende Produktion gab, von der wir nur noch die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs kennen. Bis zu 80% der Filmproduktion des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts gilt als unwiederbringlich verloren.

Die Entwicklung von den "lebenden Photographien" zu dem, was wir heute "Spielfilm" nennen, markiert dann eine neue Phase der Filmgeschichte. Diese Entwicklung geschah nicht abrupt; der "normale" Spielfilm mit seinen ca. 90 Minuten entstand allmählich. Jedoch gab es auch schon im 2. Jahrzehnt sehr bald schon Monumental-Filme, die sehr, sehr lang wurden. Genannt sei z. B. der italienische Film "Cabiria" aus dem Jahr 1914 (Regie: Giuseppe Pastroni) mit seinen ca. 148 Minuten. Eine restaurierte Fassung bringt es bei 16 fps sogar auf 181 Minuten (lt. imdb).  

Zum Frühen Kino gehört ebenso die Aufführung der Filme durch Wanderkinos; der Übergang von diesen zu ortsfesten Kinos (in Karlsruhe entstand das erste ortsfeste Kino 1908) und die damit einhergehende Entwicklung des Mediums von einem (Jahrmarkts-)Kino der Attraktionen (A. Gaudreault) zu einem Medium mit Kunstanspruch.

Wir wissen immer noch wenig bis sehr wenig über die lokale Kino- und Filmgeschichte. Martin Loiperdinger hat in seinem Buch "Film und Schokolade" die Daten der ersten Filmvorführungen in Deutschland erforscht. Seit der Gründung des Vereins "Déjà Vu - Film" ist auch in Karlsruhe das Datum der ersten Filmvorführung bekannt: der 5. September 1986. Was danach kam, ist noch wenig erforscht. Bis 1908 war in Karlsruhe jedenfalls die Zeit der Wanderkinos. Dann entstand das erste ortsfeste Kino. Eine wertvolle Hilfe bei der weiteren Erforschung kann das Gießener Projekt zur Erforschung des Wanderkinos in Deutschland sein.

Hier ein Link:

Die Ausstellung der Kinemathek, des Karlsruher kommunalen Kinos, im März 2008 ließ die Zeit vor 1908 weitgehend unberücksichtigt. Die Ausstellung stellte im wesentlichen die Baugeschichte der verschiedenen Karlsruher Kinos dar, alles andere, was ich hier "System Kino" nennen möchte, blieb praktisch unberücksichtigt. Mit "System Kino" möchte ich das kulturelle und wirtschaftliche Gefüge von der Produktion über die Distribution der Filme, ihre Vorführung an verschiedenen Orten bis hin zu ihrer Rezeption durch Zuschauer (private) und Kritiker (öffentlich wirksame Rezeption in Print- und anderen Medien) beschreiben. 

Wie dieses System sich von den Anfängen bis zum Ende der Stummfilmzeit entwickelte, hier in Karlsruhe, harrt noch seiner Erforschung.

JJ Oktober 2009

Das Frühe Kino an seinen Ort zurückbringen

Eine der interessantesten Erfahrungen der letzten Monate für mich war der überwältigende Erfolg des Slapstick-Programms beim sog. "Vorfest" am Donnerstag, 23. Juli 2009. Das Publikum war sowieso da, d. h. auf dem Fest-Gelände und musste nur noch das Programm akzeptieren. Als noch ein heftiger Regenschauer niederging und die Leute ins Zelt trieb, war dieses noch vor Beginn der Vorführung gut gefüllt. 

Was dann kam, werde ich nicht vergessen: selten habe ich ein Publikum so "abheben" sehen. Die Filme, von denen einige relativ einfach gestrickte Slapsticks waren, bewiesen im Zelt ihre robuste Qualität. Sie wirkten hier in dieser Atmosphäre, wo der Zuschauer auf Holzbänken sitzt, Gerüche von Essensständen durch die Luft ziehen oder auch das Donnern des Gewitters zu hören war, in ihrer ganzen ursprünglichen Direktheit. 

Die Filme waren an den Ort zurückgekommen, für den sie bestimmt waren.   

(to be continued)